Ein Jahr Zentrum für Verbandsführung (ZfV) - Teil 4

ZfV 2.0, Grenzen, Onboarding und warum wir jetzt „ready“ sind

Martin, was hat sich nach diesem ersten Jahr grundlegend verändert – woran erkennen Menschen von aussen diese Veränderungen?

Ich glaube, wir sind am Anfang schon mit viel Überzeugung gestartet. Vielleicht stellenweise auch etwas zu selbstbewusst. So im Sinn von: Wir wissen ja grundsätzlich, wie diese Abläufe funktionieren, wir kennen die Anforderungen, das kriegen wir hin. Und rückblickend haben wir gewisse Dinge wohl auch unterschätzt.

Nicht, weil wir keine Ahnung gehabt hätten. Wir wussten in der Theorie schon, was wir machen mussten. Wir kannten die Abläufe grundsätzlich. Aber wir kannten sie eben noch nicht in diesem System, nicht in dieser konkreten Anwendung und nicht in all den Situationen, die dann im Alltag tatsächlich auftauchen.

Und dort haben wir dann ein paar Mal den Kopf angeschlagen. Wir haben gemerkt, wo wir zu schnell waren, wo wir Dinge als einfacher eingeschätzt haben, als sie dann tatsächlich waren, und wo Fehler nicht deshalb passiert sind, weil jemand nachlässig war, sondern weil uns in der Anwendung noch Erfahrung gefehlt hat.

Ich glaube, das ist heute der grosse Unterschied. Wir sprechen nicht mehr nur aus einem theoretischen Verständnis heraus, sondern aus dem, was wir inzwischen alles einmal durchlebt haben. Wir wissen heute besser, wo man aufpassen muss, wo typische Fehler entstehen, wo Missverständnisse passieren und an welchen Punkten man Dinge nicht einfach voraussetzen darf.

Von aussen sieht man das wahrscheinlich nicht an einer grossen einzelnen Veränderung. Man merkt es eher daran, wie wir heute arbeiten. Wir versprechen weniger schnell etwas. Wir schauen genauer hin. Und wir nehmen Punkte ernster, die wir am Anfang vielleicht noch etwas zu locker eingeschätzt haben.

Dazu kommt, dass wir uns auch im Team breiter aufgestellt haben. Am Anfang hing vieles an wenigen Personen. Heute ist mehr Wissen verteilt, einzelne Themen sind fachlich besser abgestützt, und das macht uns weniger anfällig. Nicht weil dadurch alles einfacher wird, sondern weil es belastbarer wird.

Ein wichtiger Teil davon waren auch kritische Rückmeldungen von Kunden. Die waren nicht immer angenehm, aber sie waren wichtig. Wir mussten an mehreren Stellen anerkennen: Da haben wir etwas noch nicht sauber genug gemacht. Da haben wir zu viel vorausgesetzt. Da müssen wir klarer werden, damit Missverständnisse gar nicht erst entstehen.

Und ich glaube, genau das merkt man heute auch von aussen: Wir arbeiten weniger aus einem Anfangsschwung heraus und mehr aus Erfahrung. Weniger aus dem Gefühl, dass es schon irgendwie gehen wird, und mehr mit einem Bewusstsein dafür, was es konkret braucht, damit es im Alltag auch wirklich trägt.

Frage: Ihr sei​d​ im​ Frühsommer bewusst stiller geworden. Warum?

Weil wir gemerkt haben, dass wir nach aussen nicht einfach weitermachen können, wenn wir im Innern noch an so vielen Punkten am Lernen sind. Wir waren in der Qualität noch nicht dort, wo wir selber hätten sein wollen. Und in so einer Situation weiter laut zu sein oder schon wieder die nächsten Schritte nach vorne anzukünden, hätte sich nicht richtig angefühlt.

Darum wurden wir stiller. Nicht, weil wir nicht mehr an die Sache geglaubt hätten. Sondern weil wir gemerkt haben, dass wir zuerst sauberer werden müssen in dem, was wir tun. Unser Fokus musste bei den bestehenden Kunden liegen und bei der Frage, wie wir deren Alltag mit uns verlässlicher machen können.

Für mich war das nicht ganz einfach, weil ich natürlich viele Ideen hatte und am liebsten schon früher weitergegangen wäre. Aber es wäre falsch gewesen. Im Verbandsumfeld entsteht Vertrauen nicht dadurch, dass man besonders sichtbar ist oder schnell wächst. Vertrauen entsteht dann, wenn Menschen merken: Das funktioniert. Darauf ist Verlass. Das hält auch im Alltag.

Und genau das mussten wir zuerst wieder ins Zentrum stellen.

Frage: Warum kannst du heute sagen: „Wir können neue Verbände sauber begleiten und onboarden“?

Weil wir heute besser einschätzen können, worauf es in der Realität ankommt. Nicht nur fachlich oder technisch, sondern auch im Alltag der Menschen, die mit diesen Prozessen arbeiten müssen.

Wir haben erlebt, wo Abläufe zu kompliziert werden, wo etwas auf dem Papier zwar richtig aussieht, im Alltag aber trotzdem nicht funktioniert, und wo wir als Anbieter zu viel vorausgesetzt haben. Dieses erste Jahr war in dieser Hinsicht sehr lehrreich. Nicht theoretisch, sondern ganz konkret.

Wir schauen heute anders auf Onboarding. Wir wissen besser, was man am Anfang klären muss, was man nicht einfach annehmen darf und wo man schrittweise vorgehen muss, damit eine Organisation wirklich mitkommt. Nicht alles, was möglich wäre, ist im gleichen Moment auch sinnvoll. Und nicht alles, was sinnvoll wäre, kann man sofort einführen.

Ich glaube, wir haben heute ein besseres Gefühl dafür, in welcher Reihenfolge Dinge aufgebaut werden müssen, damit sie nicht nur eingerichtet sind, sondern auch getragen werden. Genau das ist der Unterschied.

Dazu kommt, dass wir im Team heute breiter aufgestellt sind. Nicht mehr alles hängt an einer Person, und einzelne Themen können fachlich tiefer begleitet werden. Das ist für die Qualität entscheidend.

Und ich spüre im Team wieder etwas, das nach diesem ersten Jahr nicht selbstverständlich ist: nicht Euphorie, sondern eher Ruhe. Das Gefühl, dass wir inzwischen besser wissen, worauf wir uns einlassen. Wir haben vieles einmal durchlebt, wir haben daraus gelernt, und wir können heute sorgfältiger arbeiten als noch vor einem Jahr.

Fr​age: Für wen seid ihr h​eute​ besond​ers gut au​fgestellt – und wo zieht ihr bewusst Gre​nz​e​n?

Ich denke, wir sind besonders gut aufgestellt für Organisationen, die operativ ein vielseitiges Geschäft haben und die bereit sind, ihre Abläufe wirklich anzuschauen. Also nicht nur für jene, die einfach ein neues Tool möchten, sondern für jene, die auch bereit sind, Prozesse zu klären, Verantwortlichkeiten anzuschauen und sich auf Veränderungen einzulassen.

Wir können heute besser einschätzen, bei welchen Organisationen wir wirklich einen Mehrwert schaffen können. Und wir merken auch schneller, wo das im Moment noch nicht der Fall ist. Wenn diese Bereitschaft nicht da ist, bringt es nichts, etwas zu versprechen, das nachher auf beiden Seiten nicht trägt.

Diese Grenzen bewusster zu ziehen, ist für uns ein Fortschritt. Nicht, weil wir enger geworden wären, sondern weil wir realistischer geworden sind.

Frage: Ihr seid im Frühsommer bewusst stiller geworden. Waru​m?

Weil wir gemerkt haben, dass wir nach aussen nicht einfach weitermachen können, wenn wir im Innern noch an so vielen Punkten am Lernen sind. Wir waren in der Qualität noch nicht dort, wo wir selber hätten sein wollen. Und in so einer Situation weiter laut zu sein oder schon wieder die nächsten Schritte nach vorne anzukünden, hätte sich nicht richtig angefühlt.

Darum wurden wir stiller. Nicht, weil wir nicht mehr an die Sache geglaubt hätten. Sondern weil wir gemerkt haben, dass wir zuerst sauberer werden müssen in dem, was wir tun. Unser Fokus musste bei den bestehenden Kunden liegen und bei der Frage, wie wir deren Alltag mit uns verlässlicher machen können.

Für mich war das nicht ganz einfach, weil ich natürlich viele Ideen hatte und am liebsten schon früher weitergegangen wäre. Aber es wäre falsch gewesen. Im Verbandsumfeld entsteht Vertrauen nicht dadurch, dass man besonders sichtbar ist oder schnell wächst. Vertrauen entsteht dann, wenn Menschen merken: Das funktioniert. Darauf ist Verlass. Das hält auch im Alltag.

Und genau das mussten wir zuerst wieder ins Zentrum stellen.

Frage: Warum kannst du heute sagen: „Wir können neue Verbände sauber begleiten und onboarden“?

Weil wir heute besser einschätzen können, worauf es in der Realität ankommt. Nicht nur fachlich oder technisch, sondern auch im Alltag der Menschen, die mit diesen Prozessen arbeiten müssen.

Wir haben erlebt, wo Abläufe zu kompliziert werden, wo etwas auf dem Papier zwar richtig aussieht, im Alltag aber trotzdem nicht funktioniert, und wo wir als Anbieter zu viel vorausgesetzt haben. Dieses erste Jahr war in dieser Hinsicht sehr lehrreich. Nicht theoretisch, sondern ganz konkret.

Wir schauen heute anders auf Onboarding. Wir wissen besser, was man am Anfang klären muss, was man nicht einfach annehmen darf und wo man schrittweise vorgehen muss, damit eine Organisation wirklich mitkommt. Nicht alles, was möglich wäre, ist im gleichen Moment auch sinnvoll. Und nicht alles, was sinnvoll wäre, kann man sofort einführen.

Ich glaube, wir haben heute ein besseres Gefühl dafür, in welcher Reihenfolge Dinge aufgebaut werden müssen, damit sie nicht nur eingerichtet sind, sondern auch getragen werden. Genau das ist der Unterschied.

Dazu kommt, dass wir im Team heute breiter aufgestellt sind. Nicht mehr alles hängt an einer Person, und einzelne Themen können fachlich tiefer begleitet werden. Das ist für die Qualität entscheidend.

Und ich spüre im Team wieder etwas, das nach diesem ersten Jahr nicht selbstverständlich ist: nicht Euphorie, sondern eher Ruhe. Das Gefühl, dass wir inzwischen besser wissen, worauf wir uns einlassen. Wir haben vieles einmal durchlebt, wir haben daraus gelernt, und wir können heute sorgfältiger arbeiten als noch vor einem Jahr.

Frage: Für wen seid ihr heute besonders gut aufgestellt – und wo zieht ihr bewusst Grenzen?

Ich denke, wir sind besonders gut aufgestellt für Organisationen, die operativ ein vielseitiges Geschäft haben und die bereit sind, ihre Abläufe wirklich anzuschauen. Also nicht nur für jene, die einfach ein neues Tool möchten, sondern für jene, die auch bereit sind, Prozesse zu klären, Verantwortlichkeiten anzuschauen und sich auf Veränderungen einzulassen.

Wir können heute besser einschätzen, bei welchen Organisationen wir wirklich einen Mehrwert schaffen können. Und wir merken auch schneller, wo das im Moment noch nicht der Fall ist. Wenn diese Bereitschaft nicht da ist, bringt es nichts, etwas zu versprechen, das nachher auf beiden Seiten nicht trägt.

Diese Grenzen bewusster zu ziehen, ist für uns ein Fortschritt. Nicht, weil wir enger geworden wären, sondern weil wir realistischer geworden sind.

Frage: Was steht am Ende dieses ersten Jahres?

Es war ein sehr kräftezehrendes Jahr. Wir mussten uns an mehreren Stellen zurücknehmen. Wir mussten anerkennen, wo wir falsch lagen. Wir mussten Ansprüche korrigieren und manches langsamer angehen, als wir es uns am Anfang vorgestellt hatten.

Aber genau darin lag auch der Wert dieses Jahres. Es hat uns gezwungen, genauer hinzuschauen. Ehrlicher zu werden. Und an manchen Stellen auch bescheidener.

Ich glaube, wir können heute wieder nach vorne schauen, ohne uns etwas vorzumachen. Nicht, weil jetzt alles perfekt wäre. Und auch nicht, weil plötzlich alles leicht geworden ist. Sondern weil inzwischen etwas da ist, das am Anfang so noch nicht da war: mehr Erfahrung, mehr Wissen darüber, worauf es wirklich ankommt, mehr Verteilung von Verantwortung, kurz:  ein tragfähigeres Fundament im Team.

Die Grundidee, gute Dienstleistungen für Non-Profits zu erbringen, ist für uns nicht kleiner geworden. Aber sie ist konkreter geworden. Und vielleicht ist genau das der wichtigste Unterschied.

Ein Jahr Zentrum für Verbandsführung (ZfV) - Teil 4
ZfV - Zentrum für Verbandsführung AG, Martin Diethelm 17 mars 2026
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