Interimsmanagement im NPO-Bereich: «Eine Interimsperson ist mehr als eine Lückenbüsserin»


Catalina Walther hat einen mehrmonatigen Interimseinsatz über den ZfV-Interimspool abgeschlossen. Im Gespräch erzählt sie, was diesen Einsatz geprägt hat, welche Kompetenzen gefragt sind und was Non-Profit-Organisationen beachten sollten, wenn sie auf externe Führungsunterstützung setzen. Mit ihr sprach Martin Diethelm.

Catalina, du hast einen mehrmonatigen Interimseinsatz über den ZfV-Interimspool abgeschlossen. Wie würdest du diese Zeit insgesamt beschreiben?

Als intensive und bereichernde Zeit. Ich konnte meine Kompetenzen in einem anspruchsvollen Umfeld einbringen und in kurzer Zeit einiges bewegen. Gerade in Veränderungsphasen brauchen Organisationen rasch Orientierung, Stabilität und Vertrauen. Genau das macht Interim Management für mich so interessant.

Was hat dich motiviert, dich für den Interimspool des ZfV zur Verfügung zu stellen?

Meine berufliche Laufbahn ist vielfältig – ich bezeichne sie gerne als Mosaik-Karriere: verschiedene Tätigkeiten, Perspektiven und Erfahrungsräume, die zusammen ein stimmiges Ganzes ergeben. Solche Profile bringen oft hohe Anpassungsfähigkeit, Reflexionsvermögen und ausgeprägte soziale Kompetenzen mit. Der ZfV-Interimspool bietet dafür einen professionellen Rahmen, um diese Breite dort einzusetzen, wo Organisationen kurzfristig Unterstützung brauchen.

Was schätzt du am Modell Interim Management?

Viele Rekrutierungsprozesse suchen heute sehr eng und spezialisiert. Menschen mit breiter Erfahrung passen dort nicht immer hinein, obwohl genau diese Breite in komplexen Situationen wertvoll ist. Interim Management schafft Raum dafür. Ich schätze ausserdem die Abwechslung: Jeder Einsatz bringt neue Organisationen, neue Menschen und neue Dynamiken.

Was war an deinem konkreten Einsatz besonders lehrreich?

Ich war in einer Organisation tätig, die sich mitten in einer Veränderungsphase befand. In solchen Situationen geht es nicht nur um Prozesse und Strukturen, sondern immer auch um Menschen, Kommunikation und Orientierung. Ich konnte Kompetenzen aus Führung, Organisationsentwicklung und transkultureller Zusammenarbeit einbringen.

Lehrreich war das typische Spannungsfeld von Interimseinsätzen: Man übernimmt rasch Verantwortung, baut Beziehungen auf und weiss gleichzeitig, dass der Einsatz zeitlich begrenzt ist. Das verlangt Professionalität und eine gute Portion Reflexionsfähigkeit.

Welche Kompetenzen sind für Interimseinsätze in Non-Profit-Organisationen besonders wichtig?

Neben Fach- und Führungserfahrung sind soziale Kompetenz, kulturelles Verständnis und ein gutes Gespür für Dynamiken zentral. NPOs funktionieren anders als Wirtschaftsunternehmen: Die Anspruchsgruppen sind vielfältig, die Ziele oft mehrdimensional, und der menschliche Faktor spielt eine besondere Rolle.

Ich würde auch die NPO-Erfahrung selbst nicht unterschätzen. Wer noch nie in einem Verband oder einer gemeinnützigen Organisation gearbeitet hat, trifft auf eine andere Logik, andere Entscheidungsprozesse und andere Feedbackmechanismen. Diese Vertrautheit mit dem Kontext kann viel ausmachen.

Wie hast du die Begleitung durch das ZfV erlebt?

Als professionell, verlässlich und unkompliziert. Besonders wertvoll war, dass ich bei Bedarf kurzfristig in den fachlichen Austausch gehen konnte. Als Interimsperson arbeitet man oft in einer Sandwich-Position, zwischen Führungsebene und Team. In anspruchsvollen Momenten ist es hilfreich, jemanden zu haben, der mitdenkt und einordnet.

Was zeichnet den ZfV-Interimspool aus deiner Sicht aus?

Vor allem drei Dinge: das Verständnis für die Besonderheiten von NPOs, die sorgfältige Passung zwischen Person und Mandat und ein professionelles Setting, das beiden Seiten Sicherheit gibt. Gerade die kulturelle und menschliche Passung ist entscheidend. Fachliches Profil allein reicht nicht.

Warum lohnt es sich für NPOs, auf einen Interimspool zurückzugreifen?

Weil sie damit rasch Zugang zu Personen erhalten, die in kurzer Zeit wirksam werden können. Eine Interimsperson bringt einen Blick von aussen mit, erkennt Muster und kann Erfahrungen aus anderen Organisationen einbringen. Gerade in Phasen von Veränderung oder personellen Engpässen kann das viel bewirken.

Ein Hinweis für Organisationen: Das Potenzial einer Interimsperson entfaltet sich am besten, wenn sie nicht bloss als Stellvertretung eingesetzt wird, sondern als Ressource mit eigenem Wissen und eigener Perspektive.

Was würdest du erfahrenen Fach- und Führungspersonen sagen, die sich für Interimseinsätze interessieren?

Es ist eine gute Möglichkeit, die eigenen Kompetenzen in unterschiedlichen Kontexten einzusetzen und weiterzuentwickeln. Gleichzeitig ist es anspruchsvoll: Man muss sich schnell einbringen, Verantwortung übernehmen und am Ende auch wieder loslassen können. Für Menschen, die Abwechslung schätzen und gerne gestalten, ist es ein reizvolles Modell.

Was nimmst du persönlich aus diesem Einsatz mit?

Dass Wirkung dort entsteht, wo erfahrene Menschen auf Organisationen treffen, die bereit sind, diese Ressource zu nutzen. Für mich war es eine Bestätigung, dass ein vielfältiger beruflicher Hintergrund in solchen Mandaten eine Stärke sein kann.

Interimsmanagement im NPO-Bereich: «Eine Interimsperson ist mehr als eine Lückenbüsserin»
ZfV - Zentrum für Verbandsführung AG, Martin Diethelm 15 avril 2026
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